Balakot sieht aus wie eine Narbe in den bewaldeten Vorbergen des Himalaya. Ein Jahr ist es her, dass ein Erdbeben von der Stärke 7,6 den Nordosten Pakistans erschütterte. Mehr als 100.000 Menschen kamen dabei ums Leben. Nirgendwo war der Schaden größer als in der einst 40.000 Bewohner zählenden Stadt am Eingang zum Kaghan-Tal. Das Erdbeben um 8:52 Uhr brachte alle öffentlichen und privaten Gebäude Balakots zum Einsturz, die Schulen wurden zu Massengräbern. Nur 6.000 Menschen überlebten, ein einziges Haus hielt dem Beben stand. Drei Tage lang herrschte Chaos, bevor die ersten Helfer eintrafen.
Heute dominiert bürokratisiertes Leid: Die Bewohner Balakots leben in improvisierten Hütten, Wellblechcontainern und Zelten zwischen dem Schutt der alten Haustrümmer und müssen so dem nahenden zweiten Winter trotzen. Temporäre Moscheen haben in improvisierten Behausungen Platz gefunden, selbst Post und Polizei – einschließlich Gefängnis – residiert in Zelten. Mitten im Ort ragt ein völlig verwüsteter Hügel auf, ehemals Old Balakot, den die Regierung komplett als „Grab“ deklarierte.
Denn Balakot liegt in der „Roten Zone“: Selbst wenn die Bewohner endlich das von der Regierung versprochene Geld für die zerstörten Häuser bekämen, dürften sie hier nicht bauen, da das Gebiet viel zu erdbebengefährdet ist. Aber Pakistans Mühlen mahlen langsam. Obwohl Balakot bereits Ende März 2006 zur „Roten Zone“ erklärt wurde, warten die Überlebenden bis heute darauf, dass die Regierung ihnen irgendwo anders einen Flecken zuweist.